Sonntag, 18. Juni 2017

Scones with clotted cream, die Queen und ein Kniefall

 
Scones with clotted Cream

Wer nach London reist, kommt um einiges kaum rum. Z.B. um  die Themse, um Georg Friedrich Händels Wassermusik, um den Tudor Stil, um Rosen, um die Queen und um Scones with clotted Cream. Also ich bin grosser Fan von allem, inklusive der Queen. Leider hatte mir Premierministerin Theresa May mit ihrer neu angesetzten Parlamentswahl einen massiven Strich durch die Rechnung gemacht. Denn eigentlich findet in London im Mai jeweils die RHS Chelsea Flower Show statt sowie die Parlamentseröffnung. Da fährt die Queen dann in ihrer Kutsche vom Buckingham Palace zum Parlamentsgebäude - ein Grund für die Royalisten, mit Fähnchen am Strassenrand zu stehen und dem britischen Oberhaupt zu huldigen. Da wollte ich natürlich mit dabei sein, aber der Herr Toettchen hatte sich bereits im Vorfeld quer gestellt und meinte, er werde auf keinen Fall mit dem Fähnchen am Strassenrand stehen, sondern derweilen irgend ein Museum besuchen oder sich mit einem Buch in einen Park setzen. Aber eben, es kam dann anders, weil die Parlamentseröffnung nun erst am 21. Juni, also kommenden Mittwoch, stattfindet. Lange Rede - kurzer Sinn, ich hab die Queen nicht gesehen.


Die Queen

Kommen wir zu Georg Friedrich Händel, in Deutschland geboren, in London gestorben. Wie hatte Ludwig van Beethoven einst gesagt? «Händel ist der grösste Komponist, der je gelebt hat. Ich würde mein Haupt entblössen und an seinem Grabe niederknien!». Ich auch - ich bin grosser Händel-Fan. Und während ich diesen Blogbeitrag schreibe, läuft im Hintergrund sehr laut Händels Wassermusik. Händel und London gehören für mich einfach zusammen.

Westminster und Elizabeth Tower (Big Ben)

Tudor Stil und Rosen... jessäs... wenn ich die Entwicklung dieses Blogbeitrages sehe... ich bin hoffnungslos altmodisch. Jedenfalls sind der Herr Toettchen und ich mit einem ehemaligen Lastkahn drei Stunden Themse aufwärts nach Hampton Court Castle gefahren. Entschleunigtes reisen. Mit U-Bahn, Bahn und Bus hätte das Ganze irgendwie um die 40 Minuten von Londons Zentrum aus gedauert. Mit dem Kahn war es gemütlicher.

Reisen auf der Themse

Blick auf Hampton Court Castle von der Themse aus

Rosengarten von und Blick auf Hampton Court Castle

Rosengarten Hampton Court Castle

Altmodische Henne im Rosengarten von Hampton Court Castle

Achja, das ist ja ein Foodblog. So langsam sollten wir uns wieder dem Essen widmen. Mit was hatten wir angefangen...? Genau, mit Scones. Scones mit clotted Cream... clotted Cream ist hier praktisch nicht zu kriegen. Das, was meiner Meinung nach weit (sehrsehr weit) entfernt ähnlich mit clotted Cream ist, ist Mascarpone oder für die Schweizer evtl. noch Greyerzer Rahm. Ich habe irgendwo im Netz eine Anleitung gesehen, wie man clotted Cream selbst herstellen kann. Aber die Herstellung dauerte locker zwei Tage und dafür müsste auch der Backofen 12 Stunden laufen. Das ist mir dann für das bisschen Cream doch zuviel Aufwand und zuviel Stromverbrauch. Ich hatte mir einen Becher clotted Cream aus London mitgebracht.

Kommen wir zum Scones-Rezept. Das stammt aus dem Kochbuch von Fortnum and Mason.

Rezept für 15 Stück

400 g Mehl
20 g Backpulver
1/2 Teelöffel Salz
115 g kalte Butter, in Würfel geschnitten
80 g Zucker
175 ml Milch
1 Eigelb

Mehl, Salz, Backpulver, Butter und Zucker in eine Schüssel geben. Die Zutaten zackig zwischen den Händen verreiben, bis alles eine bröslige Mischung ist. Nicht kneten, das muss wirklich zackzack gehen. Milch beifügen und alles sehr rasch zu einem glatten Teig zusammen fügen.
Jetzt kommt noch ein Trick, den Fortnum & Mason nicht im Rezept erwähnt, den mir aber der Herr Toettchen verraten hat: dem Teig jetzt eine Tour geben. Dann den Teig auf 2 cm Dicke auswallen und mit einem runden Förmchen von ca. 4 cm Durchmesser ausstechen. Die ausgestochenen Scones auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und 30 Minuten kühl lagern. Mit Eigelb bestreichen.
Den Ofen auf 180 Grad vorheizen und das Blech mit den Scones rein schieben. 12 bis 15 Minuten backen.

Die noch lauwarmen Scones mit Erdbeermarmelade und clotted Cream zu einer wunderbaren Tasse Tee servieren.
Scones - ein Muss in England

Kommentare:

  1. Clotted Cream gibt's übrigens im Globus käuflich zu erwerben. Für den Preis von zwei Gläschen kannst du glatt ein Cottage für die Sommerferien mieten...;-)

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    1. Merci für den Tipp, da werde ich mir doch demnächst mal die Preise anschauen. Obwohl, ich plane schon den nächsten London-Aufenthalt...

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  2. Hallo Wildhendl. Die gleich Queen steht bei mir am Blumenfenster zwischen den Orchideen - sie hat sogar ein blaues Kleid :-))
    Wir waren im Juni mal in den Kew Gardens, das war für mich das Paradies. Am liebsten hätt ich mir den einen oder anderen Pflanzerlableger gefuchst, aber ich hab mich nicht getraut.
    Jedenfalls bekomm ich große Lust, London wieder zu besuchen, wenn ich deinen schönen Beitrag lese!

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    1. Hmmm, in Kew Gardens war ich nicht, obwohl der Herr Toettchen das vorgeschlagen hatte. Ich war mehr auf Schönheit als auf Wissenschaft eingeschworen. Aber beim nächsten Mal nehme ich mir Kew Gardens vor.

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  3. Das Hendl auf einem Foto! Freut mich sehr, dich wieder einmal zu sehen.
    Die Fotos sind sehr schön und versetzen einen gleich in Urlaubsstimmung. Danke für's Mitnehmen!

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    1. Naja, das Foto von mir ist jetzt nicht grad der Brüller... aber der Rosengarten, der macht's aus.

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  4. That is just so lovely, indeed ;-)
    Greetings from you know where!
    Andy

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  5. Ich wär wohl mit Herrn toettchen ins Museum ( so er mich mitgenommen hätte), das Adelspack kann ich nicht ab! Händel ist mir da schon viel lieber, letzten Samstag lief seine Rodelinda im Radio. Und was die Scones angeht- wie das irische Sodabrot schmecken sie lauwarm köstlichst, ausgekühlt und ein paar Stunden alt sind sie ihren Charme los.

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    1. Der Herr Toettchen findet nicht, das die Queen «Adelspack» ist. So despektierlich denkt/verhält er sich nicht. Seiner (und auch meiner) Meinung nach kümmert sich die Queen (und das englische Königshaus) sehr um sozial Benachteiligte. Genau das, was sich die momentane englische Regierung eben nicht tut.

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  6. Was für ein Rosentraum!!! ... noch nie hab ich Scones gegessen - deine sehen unwiderstehlich aus :)
    LG Doris

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  7. So steht es geschrieben: Ich hätte nicht angestanden und Fähnchen geschwenkt, nur weil die Queen vorüber fährt. Doch ich muss ihr immer wieder Respekt, ob ihrer großartigen Haltung in sozialen Belangen, zollen.
    Die Scones sind großartig geworden und man sieht gleich den Unterschied zu meinen: die aus dem Fortnum & Mason Kochbuch bekommen ein Finish mit Eigelb. Meine entstammen der labour / liberalen Linie, und da kann sich nicht jeder ein Eigelb leisten.
    Aber auch der wilden Henne muss ich auf Grund der wunderbaren Backleistung Respekt leisten, wie der Queen.

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    1. Merci:-)
      Merci fürs Respekt zollen und merci fürs Kompliment.

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  8. "...grossartige Haltung in sozialen Belangen..." Seriously???Frau Windsor steht bloss rum, lächelt und winkt. Und schneidet mal ein Bändl durch. So eine grosse Leistung ist das in meinen Augen nicht. Und wer sich keine Eier leisten kann, sei herzlich zum Sturm auf die Paläste geladen! ( Mit solchen Aussagen hätt mich Herr toettchen natürlich nicht ins Museum mitgenommen, ich weiss...)

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    1. Und nur stänkern ist auch keine Lösung.

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  9. Tut mir leid, aber Beethovens "alle Menschen werden Brüder" ist mir einfach näher als "god save the queen". Und damit ich gleich weiterstänker, weil ich grad so gut in der Übung bin: Diese Packerl- clotted cream, die es auch in D ab und an zukaufen gibt, geht gar nicht! Obwohl sie in GB wohl auch selten händisch zubereitet wird.

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  10. Die Queen überlasse ich dir sehr gern, wenn ich dafür ein scone bekomme. ;-)

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    1. Ich backe dieses Wochenende frische Scones, Du bist gerne dazu eingeladen :-)

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