Sonntag, 9. Dezember 2018

Aus dem «Wintertagebuch» - Mince Pies

Mince Pies

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich den Winter nicht mag? Ich bin im Dezember geboren und war als Kind ständig krank - kleines, rappeldürres, schwaches Winterkind: Angina, Mittelohrentzündung, Angina, Mittelohrentzündung, Angina, Krupphusten, Angina, Masern, Angina, Windpocken, Angina, Krupphusten, Angina, Mittelohrentzündung...  Meine Kindheitserinnerungen gehen sehr weit zurück und ich sehe mich ständig im Bett mit Schmerzen, hohem Fieber, Kotzschüssel, irgend einem juckendem Ausschlag, Halsschmerzen, grauenhaften Hustenanfällen, Atemnot, jämmerlichen Ohrenschmerzen usw.
Wäre ich nur 30 Jahre früher geboren, hätte ich wahrscheinlich nicht mal die Kleinkindphase überlebt oder wenn doch, dann nur mit massiven Schädigungen. Dank moderner Medizin und Antibiotika hat man auch mich noch durchgebracht.
Die ganze Zeit im Bett hatte aber auch ein Gutes. Ich konnte sehr früh lesen und wurde von meiner Mutter, wenn ich krank war, mit Lesestoff versorgt. Viel Lesestoff. Meine Mutter brachte mir Bücher aus der Dorfpapeterie mit und hat kiloweise Lesestoff aus der Bibliothek angeschleppt. Und als ich so sieben, acht Jahre alt war, hat sie immer, wenn ich krank war, ein BussiBär-Heft am Kiosk für mich gekauft. Noch heute ist BussiBär für mich mit Fieber, Ausschlag und abwechslungsweise Ohren- und Halsschmerzen verbunden.
Dank hervorragender, aufopferungsvoller Pflege meiner Mutter, literweise Pfefferminztee mit Zitrone, Hühnersuppe, BussiBär-Heften und Unmengen Büchern habe ich diese grauenhaften Winter überlebt. Und dann die Lieder... meine Mutter hat immer während der Hausarbeit gesungen. Staubwischen - singen... aufräumen - singen... bügeln - singen... kochen - singen. Volkslieder, französische Chansons, Schlager... meine Kindheit war geprägt von einer singenden Mutter. Wenn ich krank war, habe ich immer meine Zimmertür einen Spalt weit aufgemacht, damit ich unten meine Mutter singen höre. Und dann im Bett liegen, fieberdusselig, Pfefferminztee mit Zitrone neben dem Bett und ein Buch und eine singende Mutter, die unten einen Topf Suppe kochte.
Alle «Hanni und Nanni»-Bücher, sämtliche «5-Freunde»-, Michael Ende-, «Drei-Fragezeichen»- und Astrid-Lindgren-Bücher - alles, landete auf meinem Krankenlager. Irgendwann war die Schulbibliothek leer gelesen. Es gab nichts mehr, was ich nicht schon gelesen hatte. Da hat mir meine Mutter Bücher aus ihrem Bücherregal gebracht. Ohhh, ich hab mich soooo erwachsen gefühlt. Endlich kam ich an dieses, von mir heiss begehrte Regal ran. Eines der ersten Bücher, das sie mir aufs Bett legte, war «Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung» von Eric Malpass. England in den 60er Jahren. Ein kleiner Junge namens Gaylord und seine ein bisschen durchgeknallte Familie... ich kann mich noch erinnern, dass da Weihnachten anstand. Ein Mistelzweig über der Tür, unter dem man geküsst wurde, eine heulende Tante, ein grantiger Grossvater, der Vater, der auf dem Dachboden übernachten musste, ein schwangere Mutter, eine verstorbene Grosstante.... ich fand das Buch Klasse! Und meine Liebe zu England, englischen Weihnachtsfeiern, schrulligen Leuten und Mistelzweigen war gesetzt. Seit ich vor 30 Jahren bei meinen Eltern ausgezogen bin, hängt jedes Jahr in der Adventszeit über meiner Haustür ein Mistelzweig. Immer!
Und jetzt habe ich noch meine Liebe zu Nigel Slater endeckt. DER britische Kochbuchautor schlechthin! Nigel Slater schreibt nicht Kochbücher fürs Regal. Nigel Slaters Kochbücher sind Lesebücher. Wunderbare Lesebücher. Ich lese seine Bücher inkl. sämtlicher Rezepte abends im Bett wie andere Leute Romane oder Krimis. Ich habe einige Bücher von ihm in Englisch, das neuste aber jetzt in Deutsch: «Das Wintertagebuch». In der Einleitung steht: «Der Kälteinbruch ist erfrischend, wie der Sprung in einen eisigen Teich nach der langen Sommersauna. Der Winter fühlt sich an wie ein Neuanfang, zumindest für mich. Ich sehne mich nach diesem eisklaren Leuchten, nach Himmeln aus blassblauem und mattgrauem Licht, das ruhig und sanft, aber auch frisch und knackig ist. Aus der erstickenden Luftlosigkeit des Sommers entkommen, habe ich wieder mehr Energie. Der Winter ist da. Ich kann wieder atmen.» Oh Nigel.... *seufz*


Nigel Slater - «Das Wintertagebuch»

Habe ich schon erwähnt, dass ich seit Nigel Slaters «Wintertagebuch» den Winter geniesse? Gut, es ist ja nicht wirklich kalt derzeit. Aber ich zelebriere die Adventszeit. Tee, Toast, Kerzen, Buch, Kochtöpfe... Man kann es sich ja auch in Zeiten, die einem nicht behagen, gemütlich einrichten. «Das Wintertagebuch» ist eine wunderbare Anleitung dafür. (Übrigens.... ich bekomme keine Provision für die Werbung, die ich hier für dieses Buch mache. Alles, was ich darüber schreibe, kommt aus tiefstem Herzen und geschieht auf freiwilliger Basis!)

Achja, soll ich noch erwähnen, dass mein Vater in England gearbeitet hat und bei uns zuhause eine englische Teekultur gepflegt wurde, bzw. meine Eltern immer noch passionierte Teetrinker sind? Das nur so nebenbei am Rande...

Oh, mein Gott... ihr wollt endlich ein Rezept... ja klar. Also, in Nigels wunderbarem Kochbuch wird der Winter mit dem 1. November eingeläutet und er endet mit dem 2. Februar. In diesen drei Monaten geht die volle Weihnachtsdröhnung ab. Kochen, backen, essen, wieder backen, einkochen, haltbar machen, vorbereiten auf Weihnachten, dekorieren, lesen, Musik hören, wieder kochen und backen...

Ich habe eine Woche vor dem ersten Advent die Füllung (Mince Meat) für die Mince Pies, dem englischen Weihnachtsklassiker, gemacht. Das Zeugs hat Suchtfaktor. Guter Tipp von mir, macht die doppelte Menge, weil die Hälfte futtert ihr einfach so aus dem Glas weg. Und noch was. Macht das Mince Meat rechtzeitig, das Material muss genügend Zeit zum Reifen haben. Also Mitte November oder so anfangen, damit ihr frühstens zu Nikolaus die ersten Mince Pies backen könnt. Noch was am Rande... im Originalrezept kommt Rindernierenfett vor... das kriege ich in der Schweiz nicht. Ich habe es ersetzt durch Butter. Im Rezept waren 200 g angegeben, ich habe die Hälfte genommen.

Mince Meat

100 g Butter (Original 200 g Rindernierenfett)
200 g dunkler Muscovado-Zucker
200 g Sultaninen
200 g Korinthen (ich 200 g getrocknete Cranberries)
200 g Dörrpflaumen, entsteint
200 g getrocknete Aprikosen
(ich zusätzlich) 50 g getrocknete Apfelschnitze
750 g Kochäpfel (z.B. Boskop)
50 g blanchierte Mandeln
(ich: 50 g Haselnüsse aus dem Garten, geschält und geröstet)
1 unbehandelte Zitrone, Schale und Saft
1 unbehandelte Orange, Schale und Saft
1 Teelöffel Zimtpulver
½ Teelöffel Nelkenpulver
½ Teelöffel Muskatnuss
100 ml Brandy (ich: Cognac)

Sämtliches Dörrobst klein hacken. Zucker, sämtliches Dörrobst, abgeriebene Schale und Saft der Zitrusfrüchte sowie Brandy in einer Schüssel vermischen und zugedeckt zwei Tage im Kühlschrank marinieren lassen. Ab und an gut umrühren.
Mandeln od. Haselnüsse fein hacken. Die frischen Äpfel schälen und kleinschneiden. Dann Butter in einem grossen Topf schmelzen lassen, sämtliche Zutaten mit dem marinierten Dörrobst in den Topf geben und gute 30 Minuten auf kleinem Feuer schmurgeln lassen. Ich hatte noch ein bisschen Quittensirup übrig, den habe ich auch noch dazu gegeben. Ich habe 5 Minuten vor Schluss noch einen guten Schluck Cognac reingekippt. Ich dachte, das hätte dem Opa von Gaylord gut gefallen ;-)
Das Mince Meat heiss in sehr saubere Gläser abfüllen, gut verschliessen und bis zum Küchlein backen kühl aufbewahren.

Nigel schreibt: Ich und die Mince Pies... Mein Leben ist randvoll mit Ritualen. Die Art, wie ich auf dem Küchentisch eine Kerze anzünde, bevor ich mich an einem Wintermorgen zum Schreiben hinsetze. Wie ich mir eine Radiosendung zum Anhören aussuche, irgendetwas aus der vergangenen Woche, während mein Vormittagskaffee durch den Filter tropft. Das Getue, das ich um den Drink vor dem Abendessen veranstalte, hat ein Beobachter mit dem eines Mönchs verglichen, der eine japanische Teezeremonie vorbereitet... Der Heilige Abend beginnt unweigerlich damit, dass ich ein verblichenes und leicht eselohriges Stück bedrucktes Papier entfalte, einen Artikel, den Jeanette Winterson für die Times über die Zubereitung von Mince Pies geschrieben hat: «Wenn Sie sich davon überzeugt haben, dass der Teig kalt ist, holen Sie Ihr Kasperltheater-Nudelholz zheraus.» Ich lese ihn jedes Jahr bevor ich meinen Teigroller heraushole...

Mince Pies
(gemäss Rezept 18, nach meiner Art 12 Stück)

75 g Butter
75 g Schmalz
150 g Mehl
1 Eigelb

Mince Meat (nach obenstehendem Rezept)
Puderzucker zum Bestäuben

Muffinblech mit zwölf Mulden von ungefähr 6 cm Durchmessern

Butter und Schmalz in kleine Stücke schneiden und mit den Fingespitzen ins Mehl kneten, bis die Mischung aussieht wie grobe, frische Semmelbrösel. Eigelb zufügen und kurz zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf ein Esslöffel kaltes Wasser beifügen.
Teig mindestens eine halbe Stunde ruhen lassen.
Backofen auf 200 Grad vorheizen. Teig ausrollen und Rondellen von ca. 7 bis 8 cm Durchmesser und 3 mm Dicke ausstechen. Diese in die Muffinform drücken. Der Rand sollte ca. 2 cm hoch sein. Auf jedes Teigstück ca. 1 gehäufter Esslöffel  Mince Meat geben. Den restlichen Teig auswallen und mit einem entsprechenden Ausstecher einen Stern ausstechen. Den Teigstern auf die Mince Meat-Füllung legen.

Sternen-Deckel


Fertig zum Backen

Die Mince Pies bei 200 Grad rund 20 Minuten backen. Ca. 10 Minuten in der Form ruhen lassen. Ich habe dann ein Brett auf die Muffinform gelegt und das Ganze gewendet. Geht einfacher, als jedes Küchlein einzeln aus der Form zu hebeln.
Die ausgekühlten Mince Pies mit Puderzucker bestäuben.


Mince Pie

Irgendwo in dem Buch kommt eine Stelle vor, wo Nigel schreibt, wie er am Backen ist und Weihnachtslieder dazu hört... Ich verfüge über ein Internet-Radio und habe einen britischen Sender gefunden, der 24/7 englische Weihnachtslieder spielt. Das Küken und ich haben letztens 8 Stunden Weihnachtsplätzchen gebacken, Füllung für Mince Pies hergestellt und während dessen englische Weihnachtslieder gehört. 

Advent

Nigel Slater, Das Wintertagebuch, Verlag Dumont, ISBN 978-3-8321-9935-7

Donnerstag, 20. September 2018

Die etwas andere Tomatensuppe


Bei meinem letzten London-Aufenthalt im Januar habe ich kurz vor der Heimreise am Flughafen noch eine englische Kochzeitschrift gekauft: «Food to Love». Eigentlich habe ich sie geshoppt, weil da Pie-Rezepte drin sind. Von den Pies habe ich noch kein Rezept nachgebastelt, dafür schon ein paar Mal die Tomatensuppe aus ofengegarten Tomaten, weissen Bohnen und frittierten Salbeiblättern.

Rezept (4 Personen)

Am Vortag:
300 g Soisson-Bohnen, 12 h einweichen

Am Kochtag:
1 kg Fleischtomaten
1 mittelgrosse rote Zwiebel
6 bis 8 ganze Knoblauchzehen in der Schale
1 Esslöffel Ahornsirup
½ l Wasser
12 bis 16 schöne Salbeiblätter
Olivenöl
Salz, Pfeffer

Bohnen 12 h einweichen, anschliessend in genügend Salzwasser ca. 45 Min. gar kochen /oder in 10 Min. im Dampfkochtopf.
Tomaten und rote Zwiebel in Schnitze schneiden, zusammen mit den Knoblauchzehen auf ein Backblech legen. Mit Olivenöl, Ahornsirup, Salz, und schwarzem Pfeffer aus der Mühle vermischen. Bei 180°C 45 Minuten im Ofen garen.


Purismus


Dann den Knoblauch aus der Schale drücken und zusammen den Zwiebeln und ¾ der Tomaten einem Becher pürieren. Die Tomatensuppe in einen Topf geben. ¾ der Bohnen zur Suppe geben und mit pürieren. Dann das Wasser dazu geben, die Suppe erhitzen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
In einer Pfanne Olivenöl erhitzen und die Salbeiblätter darin frittieren. Rausnehmen und auf Küchenkrepp entfetten, dann mit Salz bestreuen.
Suppe mit den restlichen unpürierten Bohnen und Tomatenschnitzen in Suppenschalen füllen. Ein bisschen von dem Salbei-Öl darüber träufeln und mit den frittierten Salbeiblättern garnieren.
Letztens war ich in Schwabach zu Besuch und hab mir ein wunderbares Schwabachtaler Brot mit in die Schweiz genommen.
Schwabach

Das Sauerteigbrot habe ich in dünne Scheiben geschnitten, mit Olivenöl bepinselt, im Ofen kurz geröstet und dann mit Fleur de Sel bestreut. Das hat wunderbar zur Suppe gepasst.

Und hier noch einige StreetArt-Impressionen aus London abseits der Touristenpfade.



StreetArt in London

Sonntag, 29. Juli 2018

Gersten-Krautstiel-Salat mit Aprikosen - Resultat eines Gartenprojekts

Gersten-Krautstiel-Salat mit Aprikosen


Seit 5 Jahren wohne ich nun in diesem Haus. 4 Jahre mochte ich hier nicht kochen, weil ich eine Küche hatte, in der man einfach nicht kochen konnte (40 cm Stellfläche zwischen Herd und Spüle). Im Mai vor einem Jahr hatte meine Vermieterin dermassen Mitleid mit mir, dass Sie mir eine neue Küche eingebaut hat. Seither wird im Hühnerstall wieder gekocht.
Seit 5 Jahren wohne ich nun in diesem Haus. 4 Jahre hatte ich kaum Lust, im Garten was zu machen. Weil hierzulande (fast) jeder eine Katze hat. Was heisst da eine Katze. Neeee, 2 müssen es doch mindestens sein. Und dann, achherrjee, einmal sollte das Weibchen doch mindestens Junge haben... Und all die Viecher haben dann in meinen Garten geschissen. Ich war schon fast soweit, dass ich mir einen Kampfhund zulegen wollte!
Aber oha, dieses Frühjahr sind die beiden Nachbarn, die am meisten Katzen hatten, weggezogen. Was für eine Freude.
Subito habe ich meinen Spaten aus dem Schuppen geholt und ein Gartenprojekt gestartet.





 
 März/April/Mai 2018

Ich habe mit Rittersporn, Fingerhut, Akelei, Pfingstrosen etc begonnen, das Beet zu bepflanzen. Ich habe bei meiner Mutter Mohn, Phlox und Frauenmantel ausgebuddelt und mit viel Muttererde in meinem Beet eingepflanzt. Habe Rosen bestellt, und zusammen mit Lavendel eingegraben. So gegen Mitte Mai wurde es langsam nett hier. Also Tischdecken, Liegestühle etc. raus. Und weil es im Beet noch nicht so richtig blühen wollte, mussten Blumen auf die Tische. Aber im Beet sah es noch so leer aus. Also dachte ich, jetzt muss ein Füller rein: Kopfsalat, Stielmangold und Rosenkohl. Das Küken hat aufgeschrieen: «Mist, was willst Du mit 6 Rosenkohlstauden? Wenn das dumm läuft, haben wir am Schluss 36 kg Rosenkohl!» Ich wollte den Rosenkohl ja nicht eigentlich wegen des Rosenkohls, sondern, weil ich die Stauden optisch toll finde! Hingegen, gegen die 3 roten Stielmangold hatte sie nichts einzuwenden.





So, und nun ist alles ordentlich angewachsen und man kann im Garten leben. Und man kann ein bisschen was ernten. Also der Stielmangold jedenfalls gibt ganz ordentlich was her. Und deshalb und weil es so heiss ist derzeit, gab es letztens einen Gersten-Stielmangold-Salat mit Aprikosen für mich und das Küken.

Rezept
für 2 Personen

5 Stengel roter Stielmangold inkl. Blätter (Krautstiele)
6 reife Aprikosen
6 Cherrytomaten
½ rote Zwiebel
1 Tasse Rollgerste
1 Handvoll Kopfsalatblätter

Dressing (ergibt ¾ l)
1 Esslöffel Dijon-Senf
1 Esslöffel milder Senf
1 Esslöffel feines Meersalz
1 Esslöffel Kräutersalz
 l Rotweinessig
 l Weissweinessig
¼ l Wasser
 l Rapsöl
 l Olivenöl

1 Knoblauzehe
1 Esslöffel Sahne
6 Borretschblüten
Schnittlauch

Rollgerste in viel Salzwasser Wasser 25 bis 30 Minuten gar kochen. Abgiessen und kalt abspülen. Kopfsalat putzen. Zwiebel schälen, halbieren und in feine Ringe schneiden. Zwiebelringe in eine kleine Schüssel geben und mit Meersalz bestreuen. Mindestens 15 bis 20 Minuten ziehen lassen.
Beim Mangold das Blatt vom Stiel streifen. Stiele schräg in 2 cm lange Stücke schneiden. Blätter längs halbieren und quer in feine Streifen schneiden. Stiele in Salzwasser 5 bis 7 Minuten garen, mit einer Schaumkelle rausfischen und eiskalt abschrecken. Mangoldblätterstreifen im selben Kochwasser einmal aufwallen lassen, abgiessen und ebenfalls eiskalt überbrausen. Stiele und Blätter gut abtropfen lassen. Blätter evtl. von Hand ein bisschen auspressen.
4 Aprikosen halbieren, und würfeln. 2 Aprikosen in dünne Schnitze schneiden. Tomaten halbieren, Schnittlauch klein schneiden.
Zutaten für das Dressing in einen Massbecher geben und mit dem Stabmixer gut durchmixen, dann in eine leere Flasche füllen.
Knoblauchzehe in eine Schüssel pressen, vom Salatdressing ein bisschen dazu geben. Rollgerste, Mangoldstiele und Aprikosenwürfel dazu geben.
Mangoldblätter mit wenig Salatdressing beträufeln.
In einer zweiten Schüssel ein bisschen Dressing mit einem Löffel Sahne verrühren. Kopfsalatblätter darin kurz wenden und auf einen Teller anrichten. In die Mitte den Gersten-Mangold-Aprikosen-Salat auf den Kopfsalat anrichten. Mit den eingesalzenen Zwiebelringen bestreuen. Um den Gerstensalat den Mangoldblättersalat verteilen. Mit Aprikosenschnitzen und den halben Cherrytomaten ausgarnieren. Ein bisschen Schnittlauch über den Gerstensalat streuen und mit Borretschblüten garnieren.

Sommersalat

Dienstag, 12. September 2017

Breakfast by Burnt Toast Café - oder die besten Baked Beans in London

Avocadotoast mit pochiertem Ei, Baked Beans, gebratene Pilzen,
Speckstreifen und confierten Tomaten

Der London-Urlaub ist jetzt zwar schon eine Weile her, aber vor allem kulinarisch gesehen ist er noch sehr präsent. Ich schwelge immer noch in Erinnerungen. Ich konnte in Londons Süden, in Streatham Hill, das Haus eines Freundes günstig mieten. Das Viertel, in welchem wir wohnten, steht unter Denkmalschutz und besteht aus lauter kleinen Backstein-Reihenhäusern. Wir wohnten ruhig und beschaulich.


Reihenhäuser in Streatham Hill


Aber nur 500 m weiter tobte das Leben: in der Streatham High Road reiht sich Laden an Laden, kleine Lebensmittelgeschäfte, Handyshops, Getränkehandlungen, Kioske, Imbisse, Restaurants - alles farbig, laut, geschäftig, international. Fährt man die Streatham High Road Richtung Norden, kommt man nach Brixton. Wer es bunt, laut, fröhlich mag, für den ist Brixton das Eldorado. Auf dem Brixton Market, in Brixton Village und Pop Brixton kriegt man alles, was das Herz begehrt: Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse, Gewürze, Süssigkeiten, Brot, Wein, Kleider, Koffer und Taschen, Schuhe, Geschirr, Perücken, Handys, Haushaltsgeräte und vieles mehr.




Brixton Market am frühen Morgen

Und dann gibt's da auch die vielen kleinen Restaurants und Cafés. In einem wurden wir Stammgast, und zwar im Burnt Toast Café. Täglich fuhren wir mit dem Bus nach Brixton zum Frühstück und wurden jeweils freudig von Carol, der Bedienung, begrüsst. Sie hielt uns jeweils den besten Platz frei. Man sitzt in der gedeckten Marktgasse an kleinen Tischchen. Auf den Fensterbänken neben den Tischen stehen die Toaster, in welchen man sich seinen Toast selber röstet.

 Burnt Toast Café

Carol

Wir haben uns in diesem Urlaub einmal quer durch die Karte gefrühstückt. Alles wird jeweils frisch zubereitet, alles haben wir ausprobiert. Das Allerbeste jedoch waren die umwerfenden Baked Beans, die es bei einigen Gerichten als Beilage gab. Bei denen, bei welchen sie nicht dabei waren, haben wir Sie zusätzlich geordert. «Auf die richtigen Tomaten kommt es an», erklärte uns der Koch.

Hier wird grad mein Frühstück gebrutzelt






Frühstücksvarianten im Burnt Toast Cafe in Brixton

Und nun zu den Bohnen. Die haben mir zuhause natürlich keine Ruhe gelassen. Also frisch ans Werk. Ich habe mich an einem Rezept von Jamie Oliver orientiert und war vom Ergebnis begeistert. Und es lohnt sich auf jeden Fall, eine ordentliche Menge an Bohnen zu kochen. Heiss in Gläser abgefüllt und evtl. sterilisiert, halten die sich ja recht lange.


Baked Beans
Rezept für eine Woche Frühstück 😋

800 g grosse, weisse Bohnen (Soissons Bohnen), über Nacht eingeweicht
2 Knoblauchzehen
1 Zwiebel
600 g Ochsenherz-Tomaten
1 Teelöffel geräucherter Paprika
2 Esslöffel Balsamico-Essig
wenig Worcestersauce
wenig Tabasco
Salz und Pfeffer

2 Zweige Rosmarin
1 Chilischote
5 cl Olivenöl


Die eingeweichten Bohnen abgiessen und abspülen. Im Dampfkochtopf knapp mit Wasser bedeckt max. 10 Minuten unter Druck garen. Die Bohnen abgiessen und kurz abspülen.

Derweil in einer kleinen Pfanne ca. 1 dl Olivenöl erwärmen, die Chilischote klein schneiden und zusammen mit den Rosmarinzweigen zum Öl geben. Bei kleinem Feuer ca. 20 Minuten ziehen lassen, bis die Gewürze duften. Dann das Öl absieben und in eine kleine Flasche füllen. Für die Baked Beans brauchen wir nicht alles Öl, der Rest kann gut aufbewahrt und für andere Gerichte genutzt werden.

Die Haut der Ochsenherz-Tomaten kreuzförmig einritzen. Die Tomaten kurz in kochendes Wasser tauchen, kalt abschrecken und die Haut abziehen. Tomaten klein Würfeln. Zwiebel und Knoblauch hacken. In einem feuerfesten Topf oder einem Bräter etwas von dem Rosmarinöl erhitzen, darin die Zwiebeln und den Knoblauch langsam anschwitzen, bis die Zwiebeln weich sind. Jetzt das Paprikapulver darüber stäuben und mit dem Balsamico ablöschen. Nun die Tomatenwürfel dazu geben und das Ganze einmal aufkochen lassen. Ich habe dann alles püriert und die Sauce mit Salz, Pfeffer, Tabasco und Worcester Sauce abgeschmeckt. Jetzt kommen die Bohnen in die Sauce und das Ganze wird für 50 Minuten bei ca. 160 Grad Ober-/Unterhitze halb zugedeckt in den Ofen geschoben.


Baked Beans

Da wir jetzt über die Hauptzutat verfügen, können wir anfangen das Frühstück zusammenzubauen. Z.B. braten wir zwei Scheiben Bratspeck knusprig, beschmieren einen Toast mit Avocado (¼ Avocado mit der Gabel zermantschen, 1 Teelöffel Sauerrahm dazu, abgeschmeckt wird mit je einem Spritzer Zitronensaft und Tabasco, Salz und Pfeffer). Dann ein Ei pochieren und auf den Avocadotoast legen. Ein paar frische Pilze in einer Bratpfanne schmurgeln, ein paar Mini-Tomaten im Ofen confieren (geht neben dem Bohnen tiptop). Alles auf einen Teller anrichten, dazu einen guten Löffel der Bohnen geben und draussen auf der Terrasse mit einer Tasse Tee geniessen.

Lecker Frühstück by WildeHenne

Sonntag, 18. Juni 2017

Scones with clotted cream, die Queen und ein Kniefall

 
Scones with clotted Cream

Wer nach London reist, kommt um einiges kaum rum. Z.B. um  die Themse, um Georg Friedrich Händels Wassermusik, um den Tudor Stil, um Rosen, um die Queen und um Scones with clotted Cream. Also ich bin grosser Fan von allem, inklusive der Queen. Leider hatte mir Premierministerin Theresa May mit ihrer neu angesetzten Parlamentswahl einen massiven Strich durch die Rechnung gemacht. Denn eigentlich findet in London im Mai jeweils die RHS Chelsea Flower Show statt sowie die Parlamentseröffnung. Da fährt die Queen dann in ihrer Kutsche vom Buckingham Palace zum Parlamentsgebäude - ein Grund für die Royalisten, mit Fähnchen am Strassenrand zu stehen und dem britischen Oberhaupt zu huldigen. Da wollte ich natürlich mit dabei sein, aber mein Begleiter hatte sich bereits im Vorfeld quer gestellt und meinte, er werde auf keinen Fall mit dem Fähnchen am Strassenrand stehen, sondern derweilen irgend ein Museum besuchen oder sich mit einem Buch in einen Park setzen. Aber eben, es kam dann anders, weil die Parlamentseröffnung nun erst am 21. Juni, also kommenden Mittwoch, stattfindet. Lange Rede - kurzer Sinn, ich hab die Queen nicht gesehen.


Die Queen

Kommen wir zu Georg Friedrich Händel, in Deutschland geboren, in London gestorben. Wie hatte Ludwig van Beethoven einst gesagt? «Händel ist der grösste Komponist, der je gelebt hat. Ich würde mein Haupt entblössen und an seinem Grabe niederknien!». Ich auch - ich bin grosser Händel-Fan. Und während ich diesen Blogbeitrag schreibe, läuft im Hintergrund sehr laut Händels Wassermusik. Händel und London gehören für mich einfach zusammen.

Westminster und Elizabeth Tower (Big Ben)

Tudor Stil und Rosen... jessäs... wenn ich die Entwicklung dieses Blogbeitrages sehe... ich bin hoffnungslos altmodisch. Jedenfalls sind mein Begleiter und ich mit einem ehemaligen Lastkahn drei Stunden Themse aufwärts nach Hampton Court Castle gefahren. Entschleunigtes reisen. Mit U-Bahn, Bahn und Bus hätte das Ganze irgendwie um die 40 Minuten von Londons Zentrum aus gedauert. Mit dem Kahn war es gemütlicher.

Reisen auf der Themse

Blick auf Hampton Court Castle von der Themse aus

Rosengarten von und Blick auf Hampton Court Castle

Rosengarten Hampton Court Castle

Altmodische Henne im Rosengarten von Hampton Court Castle

Achja, das ist ja ein Foodblog. So langsam sollten wir uns wieder dem Essen widmen. Mit was hatten wir angefangen...? Genau, mit Scones. Scones mit clotted Cream... clotted Cream ist hier praktisch nicht zu kriegen. Das, was meiner Meinung nach weit (sehrsehr weit) entfernt ähnlich mit clotted Cream ist, ist Mascarpone oder für die Schweizer evtl. noch Greyerzer Rahm. Ich habe irgendwo im Netz eine Anleitung gesehen, wie man clotted Cream selbst herstellen kann. Aber die Herstellung dauerte locker zwei Tage und dafür müsste auch der Backofen 12 Stunden laufen. Das ist mir dann für das bisschen Cream doch zuviel Aufwand und zuviel Stromverbrauch. Ich hatte mir einen Becher clotted Cream aus London mitgebracht.

Kommen wir zum Scones-Rezept. Das stammt aus dem Kochbuch von Fortnum and Mason.

Rezept für 15 Stück

400 g Mehl
20 g Backpulver
1/2 Teelöffel Salz
115 g kalte Butter, in Würfel geschnitten
80 g Zucker
175 ml Milch
1 Eigelb

Mehl, Salz, Backpulver, Butter und Zucker in eine Schüssel geben. Die Zutaten zackig zwischen den Händen verreiben, bis alles eine bröslige Mischung ist. Nicht kneten, das muss wirklich zackzack gehen. Milch beifügen und alles sehr rasch zu einem glatten Teig zusammen fügen.
Jetzt kommt noch ein Trick, den Fortnum & Mason nicht im Rezept erwähnt: dem Teig jetzt eine Tour geben. Dann den Teig auf 2 cm Dicke auswallen und mit einem runden Förmchen von ca. 4 cm Durchmesser ausstechen. Die ausgestochenen Scones auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und 30 Minuten kühl lagern. Mit Eigelb bestreichen.
Den Ofen auf 180 Grad vorheizen und das Blech mit den Scones rein schieben. 12 bis 15 Minuten backen.

Die noch lauwarmen Scones mit Erdbeermarmelade und clotted Cream zu einer wunderbaren Tasse Tee servieren.
Scones - ein Muss in England

Sonntag, 11. Juni 2017

Sonntagsbäckerei: Lemon tart nach Gill Meller

 Lemon tart

Als ich in London Gatwick meinen Koffer für den Flug nach Basel aufgegeben wollte, musste ich 40 £ draufzahlen, weil der Koffer 5 kg Übergewicht hatte. Sowas ist mir ja noch nie passiert. Als ich im Emmental aus dem Zug stieg, fuhr leider kein Bus, so dass ich mit meinem schweren Gepäck zu Fuss nach Hause musste. Mir sind fast die Arme abgefallen unterwegs. Und die ganze Zeit dachte ich: «Poulet, soviel hast Du doch eigentlich gar nicht geshoppt - wieso ist der Koffer bloss so sauschwer?!»
Nun ja, ein bisschen habe ich natürlich schon eingekauft... das Bisschen war leider ziemlich gewichtig. Wir waren unter anderem in Notting Hill in Books for Cooks, einer Buchhandlung, die nur Kochbücher führt - über 8000. Fantastisch! Von da habe ich mir «Gather» von Gill Meller mitgebracht. Ein wunderbares Werk, daraus werde ich noch einiges verbloggen. Heute fangen wir  mit Süsskram an.



Zum sonntäglichen Nachmittagstee gibt's die «Lemon & gooseberry tart with elderflower fritters». Aber ohne Stachelbeeren und frittierten Holunderblüten :-D. Denn hierzulande ist das mit den Stachelbeeren und den Holunderblüten ein bisschen schwierig. Also ich weiss ja nicht, wie die das in England hinkriegen, aber wenn bei uns der Holunder blüht, sind die Stachelbeeren noch lange nicht reif. Nun denn, ich habe also statt der Stachelbeeren Aprikosen verwendet. Und die Holunderblüten fallen grad ganz weg, die Törtchen sind so schon eine totale Kalorienbombe, da muss ich nicht noch frittierte Blüten drauf haben.

Rezept
Für 16 Törtchen

Teig
90 g Puderzucker
340 g Weissmehl
170 g Butter (kalt, in Würfel geschnitten)
1 Ei
2 Esslöffel kaltes Wasser
Hülsenfrüchte zum Blindbacken

Lemoncurd
100 g frische, entsteinte Aprikosen (im Originalrezept: 100 g Stachelbeeren)
2 Esslöffel Wasser
abgeriebene Schale einer grossen Zitrone
1 dl Zitronensaft
100 g Honig
8 Eigelb
225 g Butter (kalt, in Würfel geschnitten)

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Für den Teig Puderzucker mit Mehl mischen, ich habe noch eine Prise Salz dazu gegeben. Dann mit der kalten Butter zügig zwischen den Händen verreiben. Das mit dem Wasser verquirlte Ei dazu geben und rasch einen glatten Teig erarbeiten. Die Vertiefungen eines Muffinblechs ausbuttern. Den Teig von Hand in die Muffinvertiefungen drücken und bis oben einen Teigrand hochziehen. Auf jeden Teig ein Stück Backpapier legen und mit den Hülsenfrüchten beschweren (ich hab für sowas ein Glas Kichererbsen im Küchenschrank). Das Blech in den Ofen schieben und die Küchlein 15 bis max. 20 Minuten blind backen. Aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen.

Für die Füllung die Aprikosen mit dem Wasser in einen kleinen Topf geben und weichkochen. Ich habe noch zwei Kaffeelöffel selbstgemachten Vanillezucker beigefügt. Das Aprikosenkompott durch ein Sieb in eine Schüssel streichen. Den Honig, Zitronenschalenabrieb, den Zitronensaft sowie die Eigelb dazu geben. Nun ein Wasserbad herrichten und die Schüssel über das heisse Wasser stellen. Das Wasser sollte ab jetzt die ganze Zeit simmern, die Schüssel darf das Wasser aber nicht berühren. Nun die Masse aufschlagen, ich hab das mit dem Handrührgerät gemacht, bis sie heiss und dick ist. Jetzt ein Stück kalte Butter in die Masse geben und weiter rühren, bis die Butter geschmolzen ist. So nun Stück für Stück von der Butter in die Zitronenmasse rühren. Wenn die ganze Butter aufgebraucht ist, den Herd nochmals hochdrehen, dass das Wasser anfängt zu köcheln. Jetzt die Masse noch solange weiterrühren, bis sie richtig heiss ist, dann die Schüssel vom Topf nehmen und den Lemoncurd durch ein Sieb streichen. Anschliessend den Curd in die ausgekühlten Küchlein füllen. Küchlein für 4 bis 6 Stunden in den Kühlschrank stellen, bis der Curd fest ist. 


4 bis 6 Stunden Zwischenlagerung im Kühlschrank


Vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben. Ich hatte noch ein Beerenkompott von einem andern Dessert übrig und fand, das passt ganz nett zu den Törtchen.

Zitronentörtchen mit Beerenkompott


Angaben zum Kochbuch: Gill Meller, Gather - Verlag: Quadrille Publishing - ISBN-978 1849497138. Das Buch ist nur in Englisch erhältlich.