Dienstag, 14. August 2012

Zwetschgenwähe


So, jetzt machen wir mal eine kleine Rundfahrt durch die Schweiz. Das, was hier auf dem Bild ist, heisst im Osten der Schweiz nicht gleich, wie im Norden, in Bern nicht gleich wie in Zürich oder in Basel. Und überhaupt, wenn der Berner das in Solothurn bestellt, kriegt er was anderes als daheim in Bern.

Also vornweg - ich lebe im Kanton Bern, bin im Kanton Bern aufgewachsen und rede grosso modo Berndeutsch. Meine Eltern aber, die kommen aus andern Regionen der Schweiz. Mein Vater aus dem Kanton Solothurn, meine Mutter aus dem Laufental, das früher zum Kanton Bern gehörte, später aber dem Kanton Basel Land zugeschlagen wurde. Aus diesem Grund spreche ich auch nicht ein reines Berndeutsch, sondern habe eben Abfärbungen von den Dialekten meiner Eltern.

Und das Teil da oben auf dem Bild das nenn ich - in Deutsch zumindest - eine Wähe, genauer eine Zwetschgenwähe. Aussprechen tu ich es aber Wäije. Eine Wäije gibt es von Basel Richtung Solothurn und ostwärts Richtung Zürich. Der Berner, die Walliser, die Innerschweizer und die deutschsprachigen Fribourger nennen das Ding schlicht Chueche, also Kuchen. Bei einem Solothurner aber ist ein Kuchen ein Gebäck, das in einer Springform gebacken, aber nicht wie eine Torte mit Sahne oder Crème gefüllt wurde.
In Schaffhausen und im Kanton Thurgau, heisst die Wähe dann Tünne oder Dünne. Im Appenzell und im Kanton St. Gallen, also ganz im Osten der Schweiz, wird das Teil zum Flade, also Fladen. Dann gibt es noch die Bündner, bei denen ist es eine Turte oder Turta, also die Abwandlung von Torte.
Den Wähenbelag gibt es aber nicht nur süss, sondern auch salzig. Und wenn wir jetzt vom Französischen aus gehen, dann ist die süsse Version eine Tarte und die salzige eine Quiche. Voilà - ganz einfach, gell.
Den Wähenteig kann man selber machen. Nachfolgend kommt gleich das Rezept dafür. Ich hingegen mag statt Wähenteig lieber Blätterteig - und den kauf ich meistens beim besten Bäcker im Ort. Das nachfolgende Rezept ist für ein rundes Blech - ich hab gestern ein grosses, eckiges gemacht, weil die Wähe quasi Hauptmahlzeit war.

Für ein rundes Blech von 26 cm Durchmesser
150 g Mehl
1/2 Kaffeelöffel Salz
50 kalte Butter
4 bis 5 Esslöffel Wasser

600 g Zwetschgen
3 Esslöffel Zucker
1/2 Esslöffel selbstgemachter Vanillezucker
1,5 dl Sahne
2 Eier

Mehl und Salz in eine Schüssel geben. Butter in Flocken schneiden, sorgfältig mit dem Mehl verreiben, bis die Masse gleichmässig fein ist. Das Wasser über den Teig spritzen und diesen rasch zusammenfügen. Zugedeckt ca. 30 Minuten ruhen lassen, dann auswallen und ein Blech damit auslegen.
Zwetschgen entsteinen und die Hälften je zweimal einschneiden. Die Zwetschen gleichmässig, dicht an dicht mit der Hautseite nach unten auf dem Teig verteilen. Zucker, Vanillezucker, Eier und Sahne in einen hohen Becher geben und mit dem Rührgerät gut aufschlagen. Guss über das Obst giessen.
Backen im vorgeheizten Ofen bei 220 Grad in der untern Ofenhälfte rund 40 Minuten.
Es gibt auch Leute, die verteilen unter dem Obst auch noch gemahlene Haselnüsse, das vorwiegend bei Früchten, die viel Saft ziehen wie Aprikosen oder eben Zwetschgen.

Montag, 13. August 2012

Randen mit Tomaten und Speck


Ich hab's letztens bereits angetönt, ich bin derzeit ziemlich einfallslos in der Küche. Kein Plan für gar nix, keine Ideen, leer, Sommerloch oder so. Nun denn, das ist nicht weiter tragisch. Eigentlich ist das sogar sehr gut. Denn so komme ich endlich dazu, all die gesammelten Ideen von andern Blogs mal nachzukochen. Wir leben derzeit eigentlich nur von Nachgekochtem.
Petra von Chili und Ciabatta hatte letztens ein Randentartar, das mich grad angemacht hat. Aber am Tag drauf postete sie Randen mit Tomaten und Speck. Oh yeah - das musste ich haben. Zufällig hab ich am Wochenende Randen geschenkt gekriegt, so stand dem heutigen Mittagessen nichts mehr im Weg. Ausser, dass ich keine Cherry-Tomaten hatte und das Ganze mit Coeur de Boef machen musste/durfte. Und abgemessen habe ich natürlich auch nichts, sondern Handgelenk x Pi einfach in die Pfanne gekippt. Drum ist mein Rezept halt nicht so genau.
Bei uns gab es das Randengemüse als Vorspeise zu einer Zwetschgenwähe - für die folgt das Rezept dann morgen.
als Vorspeise für 3 Personen
1 grosse Rande
1 Schalotte, fein gehackt
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
1 Handvoll Speckwürfelchen
1,5 Tomaten Coeur de Boeuf
ein Schluck Balsamico
Olivenöl
(im Original noch Saft einer halben Zitrone - hatte ich aber nicht)
Salz, Pfeffer
glatte Petersilie, gehackt - hatte ich eben nicht
bei mir gab auf jeden Teller noch zwei Scheiben Bratspeck supplément obendrauf

Rande weichkochen und in Scheiben schneiden. In einer Bratpfanne die Speckwürfel anbraten, dann den Knoblauch und die Schalotte dazu geben und mitbraten, bis sie leicht caramelisieren. Balsamico, Olivenöl, Salz und Pfeffer dazu geben, Pfanne vom Herd ziehen und die in Scheiben geschnittenen Randen und Tomaten untermischen. Gemüse eine halbe Stunde ziehen lassen. Wenn man hat, zum Schluss Petersilie darüber streuen. Ich hatte nicht. Lauwarm angerichtet habe ich die Teller mit gebratenen Speckscheiben «garniert». Geschmeckt hat es wunderbar.

Aber alles garnieren nützte nichts - mein Teller sieht irgendwie aus wie schon mal gegessen oder iiih, wie eine offene Wunde. Wenn ich da mit Micha von Grain de sel vergleiche, die am Wochenende das Selbe gekocht hat... also bei ihr sieht das wunderschön aus. Bei mir ist es wieder mal ein Beitrag für Heikes Dauerevent Ugly Food

Nachtrag
Sodele, jetzt kommt noch der Ursprung des Rezeptes. Petra hat es nämlich von der Küchenschabe. Auch in Österreich sieht der Teller hübsch aus. Ich glaub, bei mir lag es an meinen Coeur de Boef, die zwar wahnsinnig fein sind, aber hier fürs Optische nicht die richtige Wahl waren.

Samstag, 11. August 2012

Seehecht auf mariniertem Fenchel


Fenchel ist mein Lieblingsgemüse, das war schon immer so. Sei es nun gekocht oder roh oder als Samen, mit Fenchel macht man mich glücklich. Fencheltee während der Stillzeit - für andere Mütter war das eine Strafe, für mich der Himmel. Ich mag auch sehr gerne Brot mit Fenchelsamen. Im Augenblick hab ich grad eins im Ofen, es duftet wunderbar durchs ganze Haus.
Fenchel geht immer - aber ganz toll natürlich zu Fisch. Der Titel dieses Posts ist insofern irreführend, als man denkt, dass der Seehecht hier der Star sei. Aber eigentlich ist es der Fenchel. Das Originalrezept für den Fenchel stammt aus dem Kochbuch «Aus Italiens Küchen» von Marianne Kaltenbach und Virginia Cerabolini*. Ich passe hier die Mengenangaben an und vor allem nehme ich weniger Zitronensaft, als im Originalrezept angegeben, da mir das sonst viel zu sauer ist.

Rezept für 2 Personen als Vorspeise
1 Fenchelknolle
Salz, Pfeffer aus der Mühle
Olivenöl
Saft einer halben Zitrone
2 Esslöffel Wasser
1 Lorbeerblatt
1 Zweiglein Thymian
1 kleines Stück Stangensellerie
5 Pfefferkörner
ein paar Korianderkörner

1 Seehechtfilet
ein paar Tropfen Zitronensaft
Salz, Pfeffer,
wenig Mehl

Den Fenchel in Scheiben hobeln oder wie ich bei diesem Rezept hier längs halbieren, die Hälften längs dritteln und quer in knapp 1 cm breite Streifen schneiden. Im Originalrezept wird der Fenchel jetzt in Salzwasser blanchiert. Den Gang spare ich mir. Ich geb reichlich Olivenöl in eine flache Pfanne, dünste den Fenchel darin kurz an (nicht braten) und geb dann sämtliche weiteren Zutaten mit dazu. Deckel drauf und zugedeckt ca. 15 Minuten auf kleinem Feuer schmurgeln lassen. Ausgekühlt passt er jetzt so auf eine Antipastiplatte.
Bei mir bildete der Fenchel lauwarm die Unterlage für das gebratene Seehechtfilet. Dieses wird mit ein paar Tropfen Zitronensaft beträufelt, gesalzen und gepfeffert und mit wenig Mehl bestäubt. Dann in einer Bratpfanne in wenig Bratbutter beidseitig kurz gebraten. Das Filet auf dem lauwarmen Fenchel anrichten. Und weil ich noch einen Rest Mango hatte, kamen davon ein paar Würfelchen sowie ein paar rosa Pfefferkörner aussenrum.

*Mit diesem Rezept mache ich zum ersten Mal beim Dauerevent DKduW (Dein Kochbuch, das unbekannte Wesen) von Foodfreak mit. Das Buch habe ich im letzten Jahrhundert, ja sogar im letzten Jahrtausend geschenkt gekriegt von einer Freundin, die damals im Hallwag-Verlag gearbeitet hat. Das Buch hat fast 700 Seiten, keine schönen, farbigen Bildchen von den Gerichten sondern Illustrationen und Kupferstiche in s/w. Ich liebe dieses Buch, weil es ein tolles Nachschlagewerk für sämtliche italienischen Klassiker ist. Aber auch, weil ich - obwohl ich das Buch über zwanzig Jahre besitze - darin immer wieder auf Entdeckungsreise gehen kann.

«Aus Italiens Küchen», Marianne Kaltenbach und Virginia Cerabolini, Hallwag Verlag, ISBN 3 444 102380


Donnerstag, 9. August 2012

Eingewickelt - Rotzungenröllchen


Eigentlich wollte ich ursprünglich Astrid von «Arthurs Tochter kocht» zum Blog- und sonstigen Geburtstag eine Fisch-Trilogie servieren. Ich war letztens auf dem Markt bei meinem bevorzugten Fischhändler Hostettler und habe mich mit wunderbaren Fischchen eingedeckt; am Nachbarstand von Biobauer Held wanderte frisches Gemüse in meinen Korb. Ich gedachte, da Astrid ja nicht hier weilt, mein Perlhühnchen zu bekochen - die Kids waren noch in den Ferien.
Lange Rede, kurzer Sinn. Die Fisch-Trilogie habe ich gekocht, jeder Gang für sich wunderbar. Wir haben geschlemmt. Aber als Geschenk zum Bloggeburtstag war es nicht das Richtige. Das Ganze hat die Prüfung nicht bestanden, durchgefallen als Gesamtwerk, nicht tauglich als Geschenk zum Bloggeburtstag. Versteht mich nicht falsch, jeder Gang für sich war toll. Aber alle Gänge zusammen haben kein stimmiges Gesamtbild ergeben. Lag nicht am Fisch, sondern an mir und meiner Komposition. Macht ja eigentlich auch nix, gell. So kann ich hier ab und an noch ein Fischrezept aus dem Ärmel zaubern, wo mir doch im Moment sowas von nichts einfällt in der Küche.
Nun also zum Rezept für die Fischröllchen. Achja, die waren übrigens in der Trilogie zwar der Hauptgang - aber so wie sie hier mengenmässig daher kommen, ist es eher ein Zwischengang, als Hauptgang wäre das definitiv zu klein.

Rezept für 2 Personen als kleiner Zwischengang
1 Rotzungenfilet
50 g frischer Lachs
1/2 Scheibe Toastbrot
wenig Sahne
1/2 Eiweiss

frischer Dill
Salz, Pfeffer
ein paar Schnittlauchhalme

1 Schalotte, fein gehackt
5 Pfefferkörner
1 Lorbeerblatt
2 Dillstengel
2 dl Weisswein (ich hatte einen Riesling)

frischer Dill
Salz, Pfeffer
wenig Sahne


Vom Toastbrot den Rand wegschneiden, das Brot klein würfeln und mit Sahne begiessen. Das Brot soll eingeweicht werden, aber nicht drin ertränkt werden. Den Lachs mit einem scharfen Messer fein hacken. Lachs mit den eingeweichten Brotwürfelchen, dem Eiweiss, Salz, Pfeffer und frischem Dill von Hand verkneten.
Das Rotzungenfilet salzen und leicht pfeffern, die Fischfarce auf das Filet geben, dieses aufwickeln und mit zwei Schnittlauchhalmen zubinden.
In einem kleinen Topf den Weisswein mit der Schalotte, den Pfefferkörnern, dem Lorbeerblatt und den Dillstengeln aufkochen und 10 Minuten köcheln lassen. Dann das Fischröllchen in ein Sieb legen und über dem Weindampf zugedeckt garen - bei mir dauerte das knappe 10 Minuten. Hängt halt von der Grösse des Röllchens ab.
Das Röllchen warm stellen, den Weinsud durch ein feines Sieb, noch besser durch ein Tuch giessen und zurück in den Topf geben. Den Sud einreduzieren auf ca. 2 Esslöffel. Dann die Sahne dazurühren, abschmecken und ganz zum Schluss den geschnittenen Dill in die Sauce streuen.
Den Schnittlauch vom Fischröllchen entfernen, das Röllchen einmal quer durchschneiden. Die beiden Röllchenhälften binde ich für das Auge nochmals mit frischem Schnittlauch und setze sie senkrecht auf den Saucenspiegel. Dazu gab es ein Reisköpfchen und den Broccoli vom Markt. Fenchel hätte auch gut gepasst, den gab es aber beim ersten Gang. Das Rezept dafür folgt in den nächsten Tagen dann mal.

Montag, 6. August 2012

Drei auf einen Streich - dreimal rotes Tatar


Arthurs Tochter Astrid feiert Geburtstag, den dritten Blog-Geburi. Und wünscht sich deshalb ein Dreigestirn. Kriegt sie. Dreimal Tatar, dreimal in Rot: Tomate, Rindsfilet und Paprika. Damit schlag ich Drei auf einen Streich: denn das Geschenk ist einmal für Arthurs Tochter (die Farbe passt auch zu ihrem Banner), einmal für Uwe - der will für den August nämlich Rot - und das dritte Ma(hl) für mich selber ;-)

Rezept für 3 Personen

Rindstatar
300 g Rindsfilet
3 Sardellenfilets, fein gehackt
3 Kaffeelöffel Kapern, fein gehackt
3 Dessertlöffel Cognac
3 Kaffeelöffel feinstgehackte Schalotte
2 Eigelb
1 Kaffeelöffel Senf
Tabasco
Worcestershiresauce
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Salz

Rindsfilet mit einem sehr scharfen Messer fein hacken - maschinengehackt ist Frevel am teuren Fleisch. Filet mit allen andern Zutaten gut mischen.

Berner-Rosen-Tomaten-Tatar
3 Tomaten der Sorte Berner Rosen
1/2 feinstgehackte Schalotte
3 Messerspitzen feinstgehackten, frischen Knoblauch
roter Basilikum, fein gehackt
ein paar Tropfen Balsamico
feinstes Olivenöl
Salz, Pfeffer

Tomatenhaut kreuzförmig einschneiden, kurz in kochendes Wasser tauchen, kalt abschrecken und schälen. Die wenigen Kerne entfernen und die Tomate in feinste Würfelchen schneiden. In einem Sieb abtropfen lassen (Saft kann gut für eine Tomatensauce verwendet werden). Dann mit dem Basilikum, den Schalotten und dem Knoblauch mischen. Kurz vor dem Anrichten mit allen andern Zutaten vermischen.
Die Tomatensorte «Berner Rosen» ist eine ganz alte Sorte, die man bei uns nicht oft erhält: meist nur auf Märkten bei kleinen Bio-Bauern oder im Bio-Laden. Wer einmal eine Berner Rose hatte, will keine anderen Tomaten mehr.

Rotes Paprika-Tatar
2 rote Paprika
Zitronensaft
Olivenöl
Salz, Pfeffer

Paprika unter dem Grill schmurgeln, bis die Haut Blasen wirft. Unter einem feuchten Tuch auskühlen lassen, schälen und in feinste Würfelchen schneiden. Würzen und mit wenig Zitronensaft und Olivenöl mischen.

Sodele ihr Lieben - ich hoffe, die Geschenke entsprechen eurem Geschmack. 



Geschenke für 3 Jahre Arthurs Tochter kocht    HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors

Sonntag, 5. August 2012

Catalogna mit Pinienkernen und Rosinen


Catalogna wächst im Garten meiner Eltern zuhauf - meine Mutter kommt dem italienischen Löwenzahn kaum noch hinterher. Da bin ich gerne Retterin in der Not. Trotz der Bitterstoffe mögen alle hier Catalogna.

Pro Person
1 Büschel Catalogna
1 Dessertlöffel Pinienkerne
1 Dessertlöffel Rosinen
wenig Butter
2 Sardellefilets
Pfeffer (evtl. Salz)
Zitronensaft, Olivenöl

Catalognabüschel gut waschen und in 10 cm lange Stücke schneiden. Das Gemüse in Salzwasser blanchieren, abgiessen und kurz abschrecken.
Die Sardellenfilets ganz fein hacken und mit Zitronensaft, Olivenöl und Pfeffer eine Sauce rühren. Vorsicht mit Salz, die Sardellenfilets sind wahrscheinlich schon salzig genug. Die noch lauwarme Catalogna mit der Sauce vermischen.
Die Rosinen in wenig Butter sautieren, die Pinienkerne in einer Bratpfanne trocken anrösten. Beides über den lauwarmen Salat geben.

Erntezeit


Fette Beute haben wir heute gemacht: Karotten, Catalogna, Bohnen und Bohnenkraut haben wir nach Hause getragen, alles aus dem Garten meiner Eltern. Im Frühjahr haben das Küken und ich dort geholfen den Gemüsegarten zu bepflanzen.


Das Küken balancierte damals im Mai die Bohnenstangen, die ich dann in den Boden rammte.
Das Küken im Frühjahr mit den Grosseltern bei der Gartenarbeit.


Und jetzt ist alles wunderbar gewachsen und wir haben geerntet. Nun ist der Kühlschrank voll mit Gemüse und es wird Zeit, dass ich endlich wieder mal eine richtige Mahlzeit statt nur Marmelade koche ;-)

Freitag, 3. August 2012

Pfifferlinge in Öl


Ich hab nicht nur Pifferlinge in Essig eingemacht, sondern auch noch Pfifferlinge in Öl. Die passen dann hervorragend auf eine Antipasti-Platte. Sauberes und exaktes Arbeiten setze ich ja in einer Küche grundsätzlich voraus. Aber bei den Öl-Pfifferlingen steht absolute Sauberkeit wirklich an oberster Stelle. Kinderhände z.B. haben hier schlicht nichts zu suchen. Sonst kann man innerhalb kürzester Zeit die ganzen Gläser entsorgen. Und da die Zutaten ja nicht grad günstig sind und der Aufwand relativ gross ist, lohnt sich hier exaktes Arbeiten wirklich.
Also fangen wir an. Aber erst mal die Kinder in den Sandkasten schicken und frische Geschirrtücher und Spüllappen bereit legen ;-)

Rezept
1 kg Pfifferlinge, sauber geputzt, grosse halbiert oder geviertelt
2 Esslöffel Salzkapern, abgespült und gut abgetropft
1 rote Paprika, gehäutet nach dem hier beschriebenen Prinzip, fein gewürfelt
1 Peperoncino, entkernt und fein gehackt
3 grosse, frische Knoblauchzehen, fein gehackt
3 Esslöffel frischen, gehackten Oregano
2 Lorbeerblätter
10 schwarze Pfefferkörner
Salz
2 Kaffeelöffel Zucker
0,5 bis 0,7 l Weissweinessig (5%)
0,7 bis 1 l Olivenöl

Den Essig mit den Pfefferkörnern, Salz, Zucker und den Lorbeerblättern aufkochen und 10 Minuten kochen lassen. Pfefferkörner und Lorbeer rausfischen. Nun die geputzten Pfifferlinge in den Essigsud geben und 7 bis 10 Minuten kochen, dann abseihen und gut abtropfen lassen. Der Essigsud sollte gut gesalzen sein, weil die Pfifferlinge später nicht nochmals gesalzen werden. Ich fasse die Pfifferlinge ab jetzt nicht mehr ohne Latexhandschuhe an!

In einer Bratpfanne in wenig Olivenöl den Knoblauch, die Peperoncino- sowie die Paprikawürfel andünsten (Achtung: nicht braten!), dann die Pfanne vom Herd ziehen, die Kapern und den Oregano beifügen und gut mischen.

Die Pfifferlinge gut ausdrücken und zusammen mit der Gewürzmischung aus der Bratpfanne in eine Schüssel geben. 0,5 l Olivenöl dazu und alles gut durcheinandermischen. Nun die Pfifferlinge in absolut saubere Gläser einfüllen. Füllt die Gläser nur zu etwa 3/4 mit Pilzen und achtet darauf, dass keine Luftblasen zwischen den Pilzen sind. Zum Schluss werden die Gläser mit Olivenöl randvoll aufgefüllt. Falls die Glasränder beschmutzt wurden, diese mit einem sauberen, feuchten Spüllappen abwischen. Gläser anschliessend verschliessen.
Die Pfifferlinge sollten jetzt gut einen Monat an einem dunklen, kühlen Ort (Keller) durchziehen, bevor sie verzehrt werden.
Auf diese Art können natürlich auch andere Pilze eingemacht werden. Gut eignen sich kleine Champignons dafür. Röhrlinge wie Steinpilze oder Maronenröhrlinge konserviere ich allerdings anders - Rezepte werden gegen den Herbst hin folgen.

Donnerstag, 2. August 2012

Caramelisierte Aprikosen-Lavendel-Marmelade


Sodele, den Nationalfeiertag haben wir also auch hinter uns gebracht, dann geht es hier jetzt weiter mit der versprochenen Aprikosenmarmelade. Nachdem mich die Kombi Aprikose - Lavendel in Kuchenform dermassen überzeugt hatte, wollte ich unbedingt eine Aprikosenmarmelade mit Lavendel. Ich hatte mir eigentlich bereits vor mehr als einem Monat ein Rezept Tipps dazu in meine Nachkochliste kopiert. Nur habe ich letztes Wochenende aus Versehen die gesamte Nachkochliste ins Nirwana geschickt :-(
Gut, dass ich so ein gutes Gedächtnis habe - so ist mir wieder eingefallen, dass es die Hedonistin war, bei der ich die Tipps für eine Aprikosen-Lavendel-Marmelade gesehen hatte.

1 kg schöne, reife Aprikosen
1 kg Gelierzucker
2 Teelöffel Lavendelblüten

So, und nun ist mir beim Kochen ein unfreiwilliges Highlight gelungen. Ich hatte grad die Aprikosen entkernt, jede Hälfte noch halbiert, mit dem Gelierzucker in einen Topf geschmissen, Herd eingeschaltet und schon mal umgerührt. Da klingelt das Telefon... eine meiner Lieblingstanten... und wie das so ist, man ratscht sich fest - und plötzlich zieht eine Caramelduft durchs Haus. Ich wetze so schnell wie das mit Krücken möglich ist, in die Küche und zieh den Topf vom Herd. Genau im richtigen Moment. Der Zucker ist wunderbar caramelisiert - also besser hätte ich es nicht hingekriegt, wenn ich daneben gestanden wäre. Also umrühren, dann gibt es halt caramelisierte Marmelade. Das Ganze nochmals schön aufkochen lassen und zum Schluss habe ich die Lavendelblüten direkt in die Marmelade gegeben. Heiss in Gläser abfüllen.
Die Hedonistin gibt die Blüten nicht direkt in die Marmelade, sondern übergiesst sie mit heissem Wasser und kocht die Marmelade mit dem parfümierten Wasser. Mir gefallen die Blüten in der Marmelade eigentlich ganz gut und zu stark ist der Lavendelduft auch nicht.

Mittwoch, 1. August 2012

1.-August-Weggen


Vor 721 Jahren haben in der Schweiz drei bärtige Typen auf einer abschüssigen Wiese oberhalb des Vierwaldstättersees einen Schwur von Einigkeit und Zusammengehörigkeit gemurmelt. Eine witzige Version dieser Geschichte hat der Muger letztes Jahr auf seinem Blog veröffentlicht, die korrekte, aber langweiligere  Version gibt es bei Wikipedia. ;-)
Wie dem auch sei, der 1. August ist der Schweizer Nationalfeiertag. Und deshalb haben wir heute alle frei. Das war nicht immer so. Die Schweizer sind ja bekanntlich «schaffige» Leute. So schaffig, dass wir bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts am 1. August - Nationalfeiertag hin oder her - jeweils bis 16 Uhr gearbeitet haben. Dann jedoch wurde 1993 die Volksinitiative «für einen arbeitsfreien Bundestag» vom Volk in einer Abstimmung angenommen. Seit 1994 ist der 1. August nun also arbeitsfrei.
Seit den 50er Jahren gibt es zum Nationalfeiertag den 1.-August-Weggen. Dieses Brotgebäck hatte damals der Schweizer Bäckermeisterverband kreiert und zum Erfolg geführt. Und heute gibt es in allen Bäckereien und Supermärkten kurz vor dem Nationalfeiertag diesen Weggen.
Als 1.-August-Weggen zeichnet ihn ein recht hoher Butteranteil aus und ganz wichtig, das typischen Schweizer Fähnchen. Mein 1.-August-Weggen ist nicht gekauft, sondern heute früh um 6 Uhr selbstgebacken. Mit allem Drum und Dran und Fähnli und so. Normalerweise beflaggen wir ja nichts hier, das überlassen wir andern Leuten. Aber um euch mal ein bisschen Schweizer Tradition zu zeigen, habe ich heute alles gegeben. ;-)

500 g Weizenmehl (bei mir auch noch ein bisschen weisses Dinkelmehl)
1/2 Hefewürfel, aufgelöst mit 1 Teelöffel Zucker in wenig lauwarmem Wasser
70 g flüssige Butter
2,5 dl lauwarme Milch
1,5 Teelöffel Salz
Mehl in eine grosse Schüssel geben, in die Mitte eine Vertiefung formen, dort die aufgelöste Hefe reingiessen, mit wenig Mehl bedecken. Am Schüsselrand das Salz auf dem Mehl verteilen. Butter und Milch vermischen. Von der Mitte her die Hefe mit Mehl vermischen, dann Butter-Milch-Gemisch zufügen und einen Teig kneten. Wenn der Teig sich von der Schüssel löst, diesen aus der Schüssel nehmen und auf dem Tisch kräftig kneten, bis er nicht mehr an den Fingern klebt und schön glatt ist. Zurück in die Schüssel, mit einem sauberen Tuch bedecken und an einem warmen Ort ums Doppelte aufgehen lassen. Je nach Temperatur dauert das 1,5 bis 2 Stunden.
Den Teig nach dem Aufgehen in 12 gleich grosse Stücke teilen, aus jedem Stück eine Kugel rollen. Mit der Schere ein Schweizer Kreuz obendrauf schneiden. Alle Weggen auf ein mit Backfolie ausgelegtes Kuchenblech setzen, mit Eigelb oder Milch bestreichen und in den kalten Ofen schieben. Ofen auf 220 Grad einschalten und die Weggen rund 35 bis 40 Minuten backen. Auskühlen lassen und dann das traditionelle Fähnli reinstecken.